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 Newsletter

Newsletterarchiv 2019

Newsletter Nr. 35
Schwerpunkt: „15 JAHRE ZNL”

Mai 2019

Newsletter Nr. 34
Schwerpunkt: „EMIL – Emotionen regulieren lernen. Rückblick auf ein erfolgreiches Konzept durch die ideale Passung zwischen Wissenschaft und Praxis.”

Februar 2019

 

 

 


 

Newsletter Nr. 35 – 28. Mai 2019

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Editorial
Dr. Petra Arndt & Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer, ZNL TransferZentrum für Neurowissenschaften und Lernen, Universität Ulm

Liebe Leserinnen und Leser des ZNL-Newsletter,

wir freuen uns, dass unser ZNL in diesem Jahr 15 Jahre alt wird. Das möchten wir zum Anlass für einen kleinen Rückblick nehmen. Am 28. April 2004 wurde das ZNL feierlich eröffnet. Seine Gründung wurde u.a. unterstützt durch das Kultusministerium des Landes Baden-Württemberg und die damalige Kultusministerin Annette Schavan.
Als das ZNL seine Arbeit aufnahm, war gerade die von den USA ausgerufene und international aufgegriffene Dekade des Gehirns zu Ende gegangen. Viele Erkenntnisse zu den Funktionsweisen und den Eigenschaften des Gehirns waren gewonnen worden. Dieses Wissen für die Gestaltung von Lernprozessen nutzbar zu machen, Forschung und Bildungspraxis miteinander zu verzahnen, das war das Ziel, das auch im Namen des ZNL deutlich wird: TransferZentrum für Neurowissenschaften und Lernen. 

Seit 15 Jahren verbinden wir nun Grundlagenforschung, praxisbezogene Forschung und Praxis, forschen für die und mit der Praxis, entwickeln Konzepte und begleiten Institutionen und Verantwortliche bei der Weiterentwicklung ihrer Arbeit.  Im Team des ZNLs arbeiten an dieser Aufgabe nicht nur Neurowissenschaftler/innen, sondern Wissenschaftler/innen aus Pädagogik, Psychologie, Sportwissenschaften, Linguistik und anderen Bereichen. Das TransferZentrum ist zur Heimat geworden für engagierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die mit ihrem Wissen und über Disziplingrenzen hinweg einen Beitrag leisten wollen zur Verbesserung von Bildungs- und Lernprozessen in Kita, Schule, beruflichem und informellem Lernen, denen die Förderung einer gesunden Entwicklung von Kindern am Herzen liegt und denen Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit ein Anliegen sind.
Solche Ziele kann eine Institution alleine natürlich nicht erreichen. Unsere Arbeit wird nur dadurch möglich, dass wir mit verschiedenen Partnern zusammenarbeiten und von ihnen unterstützt werden. Zu unseren Partnern im In- und Ausland gehören natürlich Bildungseinrichtungen. Außerdem kooperieren wir mit verschiedenen Stiftungen, Ministerien auf Bundes- und Länderebene, Städte und Gemeinden bis hin zu Kranken- und Unfallversicherungen im Rahmen von Präventionsansätzen, diversen Instituten und Vereinen sowie zahlreichen Unternehmen, die lebenslanges Lernen im betrieblichen Kontext unterstützen möchten und - last but not least - selbstverständlich auch andere Universitäten, mit denen wir uns auf wissenschaftlicher Ebene austauschen. Bei allen unseren Partnern im In- und Ausland möchten wir uns auf diesem Wege für die gute Zusammenarbeit bedanken und freuen uns auf die weitere erfolgreiche Kooperation.

Weil uns diese Partner so wichtig sind, freuen wir uns besonders über die „Geburtstagspost“, die wir aus diesem Kreis bekommen haben. Wir haben Post bekommen von der Baden-Württemberg Stiftung gGmbH, mit der wir zwei richtungsweisende und aktuelle Projekte im Elementarbereich durchgeführt haben. Aus dem Bildungshaus Bad Wurzach-Arnach beschreiben Kindergartenleitung und Schulleitung, wie sie die Begleitung durch das ZNL auf dem Weg der Entwicklung ihres Bildungshauses erlebt haben.  Frau Prof. Dr. Michaela Sambanis, Fremdsprachendidaktikerin an der Freien Universität Berlin gratuliert dem ZNL aus ihrer Sicht als ehemalige Mitarbeiterin und Projektleiterin des Bildungshaus 3 – 10 und als wissenschaftliche Kooperationspartnerin. Abgeschlossen wird unser Newsletter vom ZNLer der ersten Stunde. Der Geburtstagsgruß von Dr. Katrin Hille, wissenschaftliche Leitung des ZNL bis Juni 2017 und seitdem bei der experimenta Heilbronn, lässt erkennen, was uns im ZNL neben wissenschaftlicher Tiefe und interdisziplinärer Breite sonst noch wichtig ist, z.B. ein gutes Miteinander, reibungslose Abläufe, die unsere Arbeit unterstützen (vielen Dank an dieser Stelle allen Ansprechpartnern in der Universitätsverwaltung, die unserem etwas ungewöhnlichen Institut immer wieder zu Seite stehen) und die „richtigen“ Projekte, die die Praxis wirklich weiterbringen. Michael Fritz, langjähriger Geschäftsführer des ZNLs und inzwischen Vorstandsvorsitzender des Haus der kleinen Forscher beschreibt in seinem Geburtstagsbrief wie neurowissenschaftliche Grunderkenntnisse zum Lernen in der Praxis wirksam werden und diese verändern. Wir danken allen Gratulanten und wünschen unseren Leserinnen und Lesern eine interessante Lektüre mit Einblicken, die sonst so nicht in einem Newsletter zu finden sind.

Mit freundlichen Grüßen
Petra Arndt & Manfred Spitzer

 

 

 

Die Baden-Württemberg Stiftung gratuliert dem ZNL TransferZentrum für Neurowissenschaften und Lernen zu 15 erfolgreichen Jahren Bildungsforschung.
Baden-Württemberg Stiftung gGmbH, Stuttgart

Die Baden-Württemberg Stiftung gratuliert dem ZNL TransferZentrum für Neurowissenschaften und Lernen zu 15 erfolgreichen Jahren Bildungsforschung. Zwischen 2011 und 2018 konnten wir zwei richtungsweisende Projekte mit dem ZNL entwickeln und erfolgreich umsetzen. Im Rahmen des Projekts EMIL – Emotionen regulieren lernen wurde ein Fortbildungskonzept entwickelt, das pädagogische Fachkräfte darin qualifiziert, die exekutiven Funktionen und die Selbstregulation von Kindern zu stärken. Das inzwischen landesweit angebotene Fortbildungsprogramm erzielt nachweislich positive Effekte, zum Beispiel im Bereich der Verhaltensinhibition und Perspektivenübernahme sowie des Arbeitsgedächtnisses. In besonderer Erinnerung bleibt die „ICEF 2014 - Internationale Konferenz der exekutiven Funktionen“ in Stuttgart, bei der internationale Fachleute aus Wissenschaft und Praxis zwei Tage lang in Stuttgart zur Förderung der exekutiven Funktionen diskutierten. 

Ausgehend von der Frage „Wie viel Bildschirmmediennutzung ist im Kleinkinderalter notwendig und sinnvoll?“ wurde das Projekt Aktive Kinder ins Leben gerufen. Dabei wurde ein Fortbildungsangebot entwickelt und erprobt, das Familien mit Kindergartenkindern hilfreiche Informationen zur sinnvollen Alltags- und Freizeitgestaltung bietet und im Umgang mit Bildschirmmedien stärkt.

Das ZNL versteht es auf besondere Weise, aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse in praxistaugliche Konzepte zu übertragen. Fachwissen wird in einer verständlichen Sprache weitergegeben. Somit leistet das Institut einen ganz wesentlichen Beitrag zur Qualifizierung pädagogischer Fachkräfte und damit auch zur Förderung und Stärkung von Kindern. Ein großes Plus des ZNL ist die interdisziplinäre Ausrichtung.

Die Baden-Württemberg Stiftung hat das ZNL als kompetenten, verlässlichen und innovativen Partner kennen gelernt, auf dessen Know-How wir auch künftig gerne zurückgreifen. Wir bleiben den Menschen verbunden, die das ZNL tragen und mit viel Freude und Offenheit, großer Expertise und Akribie die Themen entwickeln, bearbeiten und der Öffentlichkeit zugänglich machen.   

Wir wünschen dem ZNL viele weitere erfolgreiche Jahre!

 

 

 

Als Modellprojekt „Bildungshaus 3 – 10“ konnten wir von 2007 bis 2017 mit dem ZNL Ulm zusammenarbeiten.
Carmen. E. Müller (Kindergartenleitung) & André Radke (Schulleitung), Bildungshaus in Bad Wurzach-Arnach

Für uns war dabei vor allem die Prozessbegleitung in der Entwicklungsphase unseres Bildungshauses ungeheuer wertvoll. Wir waren in der komfortablen Lage, während der ganzen Jahre kontinuierlich von derselben Person, Frau Dr. Julia Höke, begleitet zu werden. Ihre hohe Professionalität und Ihre ausgleichende und einfühlsame Persönlichkeit sorgten im Bildungshaus Arnach dafür, dass wir unsere Ideen in großen Schritten und mit viel Mut in Angriff nehmen konnten und heute ein Bildungshaus im Regelbetrieb des Landes Baden – Württemberg sind. Diesen Status hätten wir ohne das ZNL Ulm und die ausgezeichnete Begleitung der dort handelnden Personen nicht erreicht.

Außergewöhnliche Höhepunkte während unserer gemeinsamen Arbeit waren sicherlich die beiden Elternabende im März 2006 von Herrn Prof. Dr. Dr. Spitzer in Arnach, die uns die Tür zu diesem Modellprojekt vor Ort geöffnet haben. Gerne denken wir auch an die vom ZNL Ulm initiierte Hospitation in der Primaria in St. Gallen/Schweiz zurück, verbunden mit dem unglaublich wertvollen Kontakt zu der dortigen Schulleiterin, Frau Taravella. Außerdem freuten wir uns sehr darüber, dass die Geschäftsführerin des ZNL, Frau Dr. Petra Arndt, zum Abschluss unseres Bildungshausumbaus, eine zusammenfassende und wertschätzende Rede zu unserer langjährigen Kooperation hielt.

Wir wünschen dem ZNL Ulm zum 15jährigen Bestehen weiterhin solch qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich mit Herzblut und überdurchschnittlichem Engagement in ihre Arbeit einbringen. Wir wünschen weitere Erfolgsmodelle, wie das Bildungshaus 3-10, das ohne das ZNL Ulm in Baden – Württemberg bis heute nicht erfunden wäre.

Für das Bildungshaus in Bad Wurzach-Arnach
Carmen. E. Müller (Kindergartenleitung) & André Radke (Schulleitung)

 

 

 

ZUM GEBURTSTAG
Prof. Dr. Michaela Sambanis, Lehrstuhlinhaberin für die Didaktik des Englischen an der Freien Universität Berlin

Berlin, im April 2019

Liebes ZNL,

herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag und alles Gute! Nun bist du also 15 Jahre alt und damit ein richtiger Teenager. Wir haben uns kennengelernt, als du noch im Kindergartenalter warst, aber das Teenageralter ist ja bekanntlich, neben der frühen Kindheit, die zweite wichtigste und spannendste Entwicklungsphase überhaupt 1.  Und da bist du jetzt also mittendrin.

Jugendliche sind mitunter rebellisch, was irritierend sein kann. Aber ohne die kritische, manchmal rebellische Stimme der Jugend gäbe es auch viele Entwicklungsanstöße nicht. Man denke nur an das aktuelle Beispiel der Fridays for Future. Und braucht nicht auch Wissenschaft und wissenschaftlicher Diskurs das Hinterfragen, das Infragestellen und hin und wieder eine gewisse Dosis Irritation? Als Forschende und Lehrende bin ich davon zutiefst überzeugt und freue mich, dass das ZNL, das nicht erst seit dem Teenageralter eigene Wege sucht und beschreitet und eine wichtige Funktion in der Forschungslandschaft erfüllt, weiterhin Denk- und Entwicklungsanstöße geben wird.

Die Pubertät ist u.a. deshalb eine besonders interessante und wichtige Entwicklungsphase, weil sich das Gehirn sukzessive von hinten nach vorne umbaut. Durch diesen Umbauprozess optimiert sich das Gehirn, macht sich gezielt für das fit, was es zu leisten hat. Dank neurowissenschaftlicher Studien kann man inzwischen den Prozess gut nachvollziehen und Vieles besser verstehen. Eine Parallele zwischen den Umbaumaßnahmen im Gehirn und dem ZNL lässt sich in dem Umzug des TransferZentrums vor einigen Jahren sehen: Beim Alten Fritz wurden die Kisten gepackt und dabei (genau wie beim Umbau des Teenagergehirns) auch ausgemüllt, was nicht mehr gebraucht wurde, sodass man sich in der Parkstraße gut und funktional einrichten konnte. So gesehen hast du, liebes ZNL, deine Umbauarbeiten in Form eines Umzugs schon in der Vorpubertät erfolgreich gemeistert.

Um nochmal auf den Teenager zurückzukommen: Experimentelle Studien belegen, „dass die kognitiven Funktionen nicht durch pubertäre Vorgänge beeinträchtigt werden. Ganz im Gegenteil schreitet die Entwicklung auch in der Jugendzeit weiter voran und führt zu einer Verbesserung der kognitiven Leistungen“ 2.  Ähnliches gilt für die Kreativitätsentwicklung. Sie schreitet, nach mehreren Stagnationen, z.B. um das Einschulungsalter herum, voran und erreicht ihren Höchststand während der Adoleszenz um das Alter von 16 3.  Das läge also, übertragen aufs ZNL, in nächster Zukunft. Man darf gespannt sein!

Als ehemalige Mitarbeiterin des ZNL (Leitung der wissenschaftlichen Begleitung Bildungshaus 3-10 bis 2011) möchte ich anlässlich des 15. Jahrestags der Gründung des TransferZentrums meine Verbundenheit zum Ausdruck bringen. Das ZNL erfüllt eine wichtige Mission, der sich die Kolleg*innen dort mit großer Ernsthaftigkeit, hoher Kompetenz und beeindruckendem Engagement widmen. Sie forschen, tragen zur Erweiterung der Wissensbasis bei und schlüsseln Erkenntnisse für die Praxis auf mit dem Ziel, mehr und besser zu verstehen und so letztlich Lehr- und Lernprozesse effektiver und freudvoller zu machen.

Als Fremdsprachendidaktikerin beeindruckt mich außerdem, wie sich das ZNL der Herausforderung stellt, eine gemeinsame Sprache zu finden, denn dort arbeiten Kolleg*innen aus unterschiedlichsten Disziplinen zusammen im inter- und transdisziplinären Raum. Unterschiedliche Sichtweisen, Forschungstraditionen und Wissensbestände treffen aufeinander, und es wäre bei solcher Diversität deutlich bequemer, einfach aneinander vorbeizureden als miteinander in einen produktiven Diskurs zu kommen. Das Finden einer gemeinsamen Sprache ist kein leichtes Unterfangen und mit Sicherheit kein Selbstläufer, aber nur auf dieser Grundlage gelingt es, das Potenzial von Multidisziplinarität und –perspektivität zu erschließen und für Wissenschaft und Praxis nutzbar zu machen. Respekt!
Ich freue mich, weiter vom TransferZentrum zu hören und mit „euch Ulmern“ auch in Zukunft immer wieder zusammenarbeiten zu dürfen. In diesem Sinne wünsche ich dir, liebes ZNL, alles Gute. Happy Birthday!

Mit herzlichen Grüßen aus Berlin in meine ehemalige Heimat Ulm,

deine/eure

Michaela Sambanis

1  Über Entwicklungen in der Jugendphase und Möglichkeiten, die Potenziale Jugendlicher im (Sprach-) Unterricht produktiv zu nutzen, informiert kompakt und praxisbezogen: Sambanis/Walter (2019): In Motion - Theaterimpulse zum Sprachenlernen. Von neuesten Befunden der Neurowissenschaft zu konkreten Unterrichtsimpulsen. Berlin: Cornelsen.
2  Arndt/Sambanis (2017): Didaktik und Neurowissenschaften – Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis. Tübingen: Narr, S. 49.
3  Auch dazu finden sich Informationen und Praxisimpulse bei Sambanis/Walter (2019), S. 60-61.

 

 

 

Happy birthday ZNL!
Dr. Katrin Hille, experimenta gGmbH – Das Science Center, Heilbronn

Und hier ist, was ich Dir wünsche:

1

Ein langes Leben für das ZNL mit viel Glück und viel Segen

5

„Fünfer im Lotto“, was die eingestellten Hiwis, MA’s und Chefs angeht

 

 

J

jahraus und jahrein Sonnenschein auf der Dachterrasse

A

Anschlussverträge, die ohne Hoffen und Bangen rechtzeitig ausgestellt sind

H

hilfreiche Chefs, die an der Sache interessiert sind und den Rücken stärken

R

relevante Projekte, auf die die Praxis wartet

E

Ermöglicher in der Uni-Verwaltung und zwar in allen Bereichen

 

 

Z

zig Projektideen, die zu bewilligten Anträgen werden

N

nette Kollegen, die weiterhin für das bestmögliche Arbeitsklima sorgen

L

legendäre Feiern zum Geburtstag und zu Weihnachten (mit Schrottwichteln)

 

Alles Gute!

Herzlichst,
Deine Katrin (aka „Gründungsmutter“)

 

 

 

Dem ZNL zum 15. Geburtstag
Michael Fritz, Vorstandsvorsitzender Stiftung “Haus der kleinen Forscher”, Berlin

Berlin, den 31. März 2019

Mein liebes ZNL,

der Forschergeist weht, wo er will: Er prägt das ZNL, das ich mitgründen und in dem ich als Geschäftsführer fast 10 Jahre lang lernen und arbeiten durfte. Er durchdringt die Stiftung „Haus der kleinen Forscher“, deren Vorstandsvorsitzender ich seit 2013 bin. Und er motiviert die pädagogischen Fach- und Lehrkräfte in Kitas, Horten und Grundschulen in Deutschland, Kinder im Alter zwischen drei und zehn Jahren beim Entdecken, Forschen und Lernen zu begleiten und sich dazu kontinuierlich professionell weiterzuentwickeln.

Das Hauptgeschäft der Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ ist die Qualifizierung von Pädagog/innen für gute, frühe MINT-Bildung. Alle zwei Jahr rufen wir gemeinsam mit der Deutsche Telekom Stiftung Kitas in allen 16 Bundesländern auf, sich mit ihren Projektarbeiten aus Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) am bundesweiten Kita-Wettbewerb „Forschergeist“ zu beteiligen. Unter den 651 Bewerber-Kitas schaffte es das Kinderhaus Regenbogen aus Weissach mit dem Projekt „Schneckenspiralen – Von der Natur zur Technik“ zuerst zum Landessieger Baden-Württemberg und dann auf das Podest der fünf Bundessieger-Forscherkitas.

Ein Kinderhaus, in dem der Forschergeist so viel Gutes bewirkt, habe ich natürlich besucht. So stolz wie fachkundig beschrieb die Leiterin gleich zwei starke Einflüsse auf die pädagogische Arbeit des Kita-Teams: die Fortbildungen beim „Haus der kleinen Forscher“ und die aktive Teilnahme am Kindergarten-Konzept „EMIL“. Leserinnen und Leser des ZNL-Newsletters wissen natürlich, dass „EMIL“ ein Projekt des ZNL ist, mit dessen Unterstützung Kita-Teams sich für die Förderung der Selbstregulations-Fähigkeit ihrer Kinder qualifizieren können.

Aber wissen die Leserinnen und Leser dieses Newsletters auch, welch großen Einfluss die Transferforschung des ZNL auf die Arbeit der Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ und damit auf die Praxis in vielen Bildungseinrichtungen hat? Die Verbindungen werden recht schnell klar, wenn man die vom ZNL so prägnant herausgearbeiteten und wissenschaftlich fundierten „Faktoren gelingenden Lernens“ neben das ausformulierte pädagogische Grundverständnis der Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ legt und zusätzlich schaut, wie qualifizierte Praktiker/innen in guten Kitas diese Orientierungen in pädagogischen Alltag transferieren – exemplarisch dargestellt am Kinderhaus Regenbogen:

Das Gehirn lerne das am besten, was für den Lernenden persönlich von Relevanz und Bedeutung ist, sagt die vom ZNL rezipierte Lernforschung. Das „Haus der kleinen Forscher“ ermuntert deshalb die Fach- und Lehrkräfte, an den Fragen und Interessen der Kinder anzusetzen und Alltagssituationen zum Ausgangspunkt der „Forscherprojekte“ zu machen. Im Kinderhaus Regenbogen in Weissach waren es Weinbergschnecken im Garten, deren Schneckenhaus zum Entdecken von Spiralformen in der Natur, z.B. in Farnwedeln, die sich entrollen, in der Technik z.B. bei der schweren Federung von Autos und in Gebrauchsgegenständen wie Kugelschreibern anregte.

Lernen sei ein aktiver und individueller Prozess, sagt die vom ZNL rezipierte Lernforschung. Das „Haus der kleinen Forscher“ setzt das aktiv handelnde und im Dialog mit den anderen Kindern und der Fachkraft reflektierende Kind ins Zentrum seiner Didaktik. In ihren Fortbildungen stärkt die Stiftung die Pädagoginnen und Pädagogen in der Haltung des Lernbegleiters und der Lernbegleiterin. Ihre Aufgabe ist es, anregende Lernumgebungen zu schaffen und gemeinsam mit den Kindern deren Verständnis der Welt weiter zu entwickeln. Leitend ist hier der Begriff der „Ko-Konstruktion“. Die Kolleginnen im Kinderhaus Regenbogen ermunterten die Kinder unter anderem dazu, alle Spiralformen, die sie entdeckten, mit der Digitalkamera zu fotografieren, die Fotos am Tablet so zu bearbeiten, dass sie bei jedem Objekt sowohl den Anfang als auch das Ende der Spiralbewegung abbildeten und mit den ausgedruckten Bildern eine Foto-Ausstellung im Forscherraum der Kita zu gestalten.

Das Gehirn hat keine Fächer, belegt die Neurowissenschaft, im Gegenteil, alle Areale des Gehirns sind mit allen anderen verbunden. Das ganzheitliche Lernen prägt deswegen die Angebote des „Hauses der kleinen Forscher“: 2020 wird das Fortbildungsthema „MINT ist überall“ heißen. Für die Kolleginnen in Weissach ist das übrigens nix Neues… Sie fanden mit den Kindern Spiralformen auch im Bewegungsraum und beim Flattern von Krepppapier.
Die Verarbeitungstiefe wächst, je mehr Lernkanäle aktiviert werden, belegt die neurowissenschaftliche Forschung zur „embodied cognition“: alle Sinne, die sprachliche Verarbeitung und die (hoffentlich positive) emotionale Verknüpfung sorgen für eine breite und dadurch nachhaltige Verarbeitung des Gelernten. Das „Lernen mit allen Sinnen und mit Spaß“ prägt jedes Angebot des „Hauses der kleinen Forscher“. Die Pädagoginnen in Weissach fragen erstaunt: Wie denn sonst – und sind schon mitten im nächsten Forschungsprojekt der Kinder, dessen Themen und Forschungsfragen sie stets gemeinsam mit den Kindern festlegen.

Im Flyer des ZNL, der für EMIL wirbt, heißt es: Kinder „benötigen (…) eine gute Selbstregulation und Perspektivenübernahme. Die sogenannten exekutiven Funktionen unterstützen diese beiden Fähigkeiten. Sie sind für vorausschauendes Denken und Planen, für die Hemmung von Impulsen und für geistige Flexibilität zuständig. Damit bilden sie die Grundlage für bedachtes, einfühlsames und situationsangemessenes Handeln.“ Nur die Kinder? Nein, die Lernforschung zu den exekutiven Funktionen hat bewiesen, dass die Fähigkeit zur Selbstregulation und Perspektivenübernahme ein Wesensmerkmal von Menschen ist, die – egal welchen Alters – ihre Frau und ihren Mann stehen. Darum untersuchen wir – das ZNL und die Uni Heidelberg, die Stiftung Mercator und die Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ – derzeit gemeinsam den Beitrag der guten frühen MINT-Bildung für die Entwicklung von Persönlichkeiten, die in einer komplexen, sich schnell wandelnden Welt selbstbestimmt und verantwortungsvoll handeln können. Die Weissacher Kolleginnen bestätigen, dass das forschend-entdeckende Lernen in Projekten die besten Alltagssituationen provoziert, in denen die Kinder das planvolle Handeln, ihre Fähigkeit zur Inhibition und ihre kognitive Flexibilität entwickeln können.

Du siehst, liebes ZNL, wie stark Dein Einfluss als (bezogen auf die Anzahl der Mitarbeiterinnen) relativ kleines „Haus der großen Forscher“ auf die Arbeit im (gerne mit beeindruckenden Zahlen renommierenden) relativ großen „Haus der kleinen Forscher“ ist. Darauf kannst Du sehr stolz sein. Gemeinsam helfen wir mit, dass die ca. 2,5 Millionen Kinder groß, stark und mündig werden, die in den bald 32.000 Kitas, Horten und Grundschulen forschend-entdeckend lernen, aus welchen bis heute an die 80.000 pädagogische Fach- und Lehrkräfte unsere Fortbildungsangebote besucht haben. Die Bildungswelt in Deutschland braucht uns beide für einen gelingenden Transfer von Erkenntnissen der Neurowissenschaften in die alltägliche Gestaltung von Lernsituationen.

Ich wünsche Dir dabei die Fähigkeit zum vorausschauenden Denken und Planen, für den konstruktiven Umgang mit Frustrationen und anderen ablenkenden Impulsen und die geistige Flexibilität, um jeden Tag neue Erkenntnisse zu gewinnen.

Dein Michael

 

 


 

Newsletter Nr. 34 – 11. Februar 2019

 

    ZNL Newsletter

    EMIL ist ein Projekt der Baden-Württemberg Stiftung

     

ZNL - Newsletter EMILSchwerpunkt: „EMIL – Emotionen regulieren lernen. Rückblick auf ein erfolgreiches Konzept durch die ideale Passung zwischen Wissenschaft und Praxis.”

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Editorial
Dr. Petra Arndt, ZNL TransferZentrum für Neurowissenschaften und Lernen, Universität Ulm

Ein ganz normaler Kindergarten an einem ganz normalen Morgen. Eltern bringen ihre Kinder, Schuhe und Jacken werden ausgezogen, Eltern wechseln ein paar Worte mit der Erzieherin. Aber was ist das? Jedes neu angekommene Kind biegt im Eingangsbereich erstmal rechts um die Ecke und bleibt vor einer Wand stehen. Was mag da so spannend sein? An der Wand hängen Fotos – manche zeigen das Gesicht einer pädagogischen Fachkraft, andere nur einen Haarschopf von hinten. So erkennen die Kinder, welche Erzieherin heute im Kindergarten ist und welche nicht. Gleich daneben hängen Fotos, die kennzeichnen, welche Räume geöffnet sind und aktuell von den Kindern genutzt werden können, sowie ein Wochenplan mit Bildern von verschiedenen Aktivitäten – vom Morgenkreis bis zu einem Foto vom Schwimmbad.

Schaut man sich im Kindergarten weiter um, entdeckt man viele Symbole und kleine Hinweise. Stoppschilder, Smileys und durchgestrichene Hände geben eindeutige Signale. Vor einigen Räumen sind ausgeschnittene Fußabdrücke auf den Boden geklebt. Auf manchen davon stehen Hausschuhe. Gibt es etwa nicht genügend Platz in den Regalen in der Garderobe? „Nein“, lacht die Erzieherin. „Die Fußabdrücke zeigen, wie viele Kinder in den Rollenspielraum und den Ruheraum dürfen. Sind alle Fußabdrücke mit Hausschuhen belegt, dann ist der Raum voll und es dürfen keine Kinder mehr rein“.  In der Bauecke drängen sich sechs Kinder auf einem blauen Teppich. Der rote Teppich daneben ist frei. Auf Nachfrage erklärt ein Fünfjähriger: „Der blaue Teppich ist für uns. Da dürfen die Kleinen nicht hin. Die machen ja immer alles kaputt, was wir bauen. Der rote Teppich ist für die Kleinen. Da sind die die Bestimmer.“ Auch im Umgang mit den Kindern und im Verhalten der Kinder untereinander ist einiges anders, als man es in vielen Kindergärten vielleicht gewohnt ist: Die Kinder lösen Konflikte zumeist alleine, sie handeln auffallend selbständig und beachten die Regeln, die mit den verschiedenen Symbolen überall gezeigt werden. Insgesamt ist die Atmosphäre ausgesprochen ruhig und entspannt – nur selten muss eine pädagogische Fachkraft als Feuerwehr eingreifen und helfen, die Wogen zu glätten. Dadurch hat sie Zeit, sich bei Bedarf intensiv mit Kindern zu beschäftigen und diese dabei zu unterstützen, ihre Ziele selbstständig zu erreichen oder Lösungen für Probleme zu finden. Das Besondere: Dieser Kindergarten ist ein EMIL-Kindergarten. Er ist darauf ausgerichtet, die exekutiven, handlungssteuernden Funktionen der Kinder, ihre emotionale Selbstregulation und die sozialen Kompetenzen zu stärken. Wie das funktioniert, haben die pädagogischen Fachkräfte in einer EMIL-Qualifizierung gelernt.

EMIL – Emotionen regulieren lernen ist ein Projekt der Baden-Württemberg Stiftung und wurde von dieser finanziert. Seit 2011 hat das ZNL im Auftrag der Baden-Württemberg Stiftung das Konzept entwickelt, erprobt, erfolgreich evaluiert und in der Praxis verbreitet. Anlass hierfür war die Situation in den Kindergärten: Immer öfter waren Stimmen aus der Praxis laut geworden, dass Kinder Schwierigkeiten mit ihrer Selbstregulation zeigen. Ihnen fällt es schwer, ihre Impulse zu kontrollieren, Rücksicht auf andere zu nehmen, die eigenen Gefühle angemessen auszuleben, sich an Aufgaben und Absprachen zu erinnern, sich einer Sache über einen längeren Zeitraum konzentriert zu widmen oder mit unterschiedlichen Anforderungen zurecht zu kommen. Gleichzeitig deuteten immer mehr internationale Forschungsergebnisse darauf hin, dass die exekutiven Funktionen bei diesen Verhaltensweisen eine zentrale Rolle spielen. Erste erfolgreiche Interventionen in amerikanischen Pre-Schools ergaben Hinweise darauf, dass und wie Kinder in diesen Bereichen in ihrer Entwicklung unterstützt werden können. Finanziert von der Baden-Württemberg Stiftung griffen Wissenschaftlerinnen des ZNL das Thema auf, um ein passendes, alltagsintegriertes Konzept für deutsche Kindergärten zu entwickeln.

Einen kurzen Rückblick auf die Geschichte des Projekts EMIL gibt der Artikel „EMIL – Entwicklung und Erfolg eines Konzeptes zur Förderung emotionaler und sozialer Kompetenzen“ von Carmen Deffner und Bettina Hiller. Er beschreibt die Entwicklung und Erprobung des Konzepts von 2011 bis 2014 und die Rollout-Phase in den Jahren 2015 bis 2018, in denen die EMIL-Qualifizierung abschließend überarbeitet und den Kindergärten in Baden-Württemberg von der Baden-Württemberg Stiftung kostenlos zur Verfügung gestellt wurde.

Während der Erprobungsphasen wurden die Umsetzbarkeit und die Wirksamkeit von EMIL systematisch evaluiert. Der Artikel „EMIL wirkt 1: pädagogische Arbeit im Kindergarten“ von Melanie Otto und Petra Arndt beschreibt, wie das EMIL-Konzept während und nach den Qualifizierungen in den EMIL-Kindergärten umgesetzt wurde. Sonja Quante und Anna Stegmüller analysieren in dem Artikel „EMIL wirkt 2: Nachhaltige Verankerung von EMIL“ die langfristige Umsetzung von EMIL in Kindergärten und die dafür relevanten Voraussetzungen. In „EMIL wirkt 3: Entwicklungsvorteile für die Kinder“ werfen Melanie Otto und Petra Arndt einen Blick auf die Veränderungen bei den Kindern, die einen EMIL-Kindergarten besuchen.

Ein so erfolgreiches Projekt wie EMIL verdient es, bekannt gemacht zu werden. Wie das gelingt und wo das Projekt auch über die Landesgrenzen hinweg auf Interesse stößt, ist im Artikel „EMIL findet national und international Beachtung“ von Carmen Deffner nachzulesen.

Dank und Ausblick
Ende 2018 endete die Finanzierung des Projekts EMIL durch die Baden-Württemberg Stiftung. Daher möchten wir uns bei der Baden-Württemberg Stiftung für die Finanzierung des Projekts bedanken, die langjährige konstruktive Zusammenarbeit und die Unterstützung in allen Phasen der Entwicklung, Evaluation und Verbreitung von EMIL, das entgegengebrachte Vertrauen und die gemeinsamen erfolgreichen Veranstaltungen wie die ICEF (siehe Newsletter Nr. 22 vom 09.02.2015).

Unser Dank gilt zudem den Kindergärten „der ersten Stunden“ für die Teilnahme an der Erprobung und Evaluation von EMIL sowie den Eltern und Kindern für die Studienteilnahme und die Beantwortung unserer Fragebogenerhebungen. Ebenso danken wir den Kindergärten im Roll-out für ihr Interesse und die wertvollen Rückmeldungen zu unseren Qualifizierungen. Durch Ihr Mitwirken ist EMIL zu einem erfolgreichen und wirksamen Konzept für die Kindergartenpraxis geworden!

Nach dem Ende der Finanzierung durch die Baden-Württemberg Stiftung wird EMIL ab 2019 vom ZNL über die EMIL-Akademie weitergeführt. Seit Januar 2019 können sich interessierte Kindergärten auf der Homepage  http://www.znl-emil.de zu Qualifizierungsangeboten, Kosten und Möglichkeiten der Kostenübernahme informieren und sich online anmelden.

Laura Walk, Petra Arndt & das EMIL-Team des ZNL

 

 

 

EMIL – Entwicklung und Erfolg  eines Konzeptes zur Förderung emotionaler und sozialer Kompetenzen
Carmen Deffner & Bettina Hiller, ZNL TransferZentrum für Neurowissenschaften und Lernen, Universität Ulm

Mit dem Projekt EMIL werden Kinder im Kindergartenalter in der Entwicklung ihrer emotionalen und sozialen Kompetenzen unterstützt. Dabei setzt EMIL nicht bei einem direkten „Training“ von Verhaltensweisen an. Vielmehr werden grundlegende Fähigkeiten gefördert, die es Kindern erlauben, sich sozial und emotional kompetenter zu verhalten. Diese grundlegenden Fähigkeiten basieren auf den sogenannten „exekutiven Funktionen“. Damit wird eine Gruppe von Kontrollprozessen bezeichnet, mit deren Hilfe unser Gehirn unser Verhalten, unsere Ziele, die (jeweils aktuellen) Umgebungsbedingungen und unsere emotionale Bewertung der Situation miteinander in Einklang bringt. Letztlich sind diese Kontrollprozesse die Grundlage für eine gelingende Selbstregulation und planvolle Steuerung von Handlungen. Sie ermöglichen es uns, unser Handeln gut an die jeweilige Situation anzupassen und unsere Gefühle im Griff zu haben, auch wenn es mal schwierig wird.

Durch das Projekt EMIL werden die exekutiven Funktionen gefördert, indem Kindern im Alltag vielfältige Gelegenheiten für selbstgesteuertes Handeln und soziales Lernen geboten werden. Dabei werden die Kinder durch die spezifische Gestaltung der Erzieher-Kind-Interaktion, der Bildungsangebote, der räumlichen und zeitlichen Strukturen in ihrer Selbststeuerung so weit unterstützt, wie das nötig ist und so weit zu selbstgesteuertem Handeln, eigenständigem Problemlösen usw. herausgefordert, wie es dem aktuellen Entwicklungsstand des Kindes entspricht.

Das EMIL-Konzept, wie es heute durchgeführt wird, hat in den ersten Jahren (2011 bis 2014) eine zweistufige Entwicklungsphase durchlaufen, in welcher das Konzept und seine Umsetzung wissenschaftlich begleitet und auf den Prüfstein gestellt wurden. Die ersten EMIL-Qualifizierungen wurden 2012 durchgeführt. Sie umfassten acht Fortbildungstermine und vier Termine  zur Teambegleitung. Dabei dienten die Teambegleitungen sowohl der Reflexion und Unterstützung der Umsetzung in der Praxis als auch der qualitativen Evaluation und der Anpassung des EMIL-Konzepts an die jeweiligen Themenschwerpunkte der Kindergärten.

Die dabei gewonnenen Einblicke wurden genutzt, um das Konzept zu überarbeiten, an bestimmten Stellen zu ergänzen und insgesamt zu straffen. Die Reduzierung der Seminartage war notwendig, damit eine Teilnahme an den Qualifizierungen möglichst vielen Kindergärten, auch bei knappen Zeit- und Personalressourcen, möglich ist. Die überarbeitete Qualifizierung wurde mit insgesamt 25 Kindergärten in Baden-Württemberg evaluiert. Um zu überprüfen, wie bedeutsam die doch recht aufwändigen Teambegleitungen für die Umsetzung des EMIL-Konzepts sind, wurden in einem Teil der Kindergärten drei Fortbildungstermine mit zwei Terminen zur Teambegleitung kombiniert. In anderen Kindergärten wurden stattdessen vier Fortbildungstermine angeboten, so dass die Anzahl der Fortbildungsstunden identisch war.

Wieder wurde das EMIL-Konzept inhaltlich, bezüglich seiner Umsetzbarkeit und im Hinblick auf seine Wirksamkeit, evaluiert. Es wurde u.a. festgestellt, dass die zusätzliche Teambegleitung von den Erzieherinnen und Erziehern sehr geschätzt wurde, hinsichtlich der positiven Wirkung von EMIL auf die Kinder aber kein größerer Unterschied zwischen der Gruppe mit und ohne Teambegleitung feststellbar war (weitere Ergebnisse siehe “EMIL wirkt 3: Entwicklungsvorteile für die Kinder”).

Aus den Analysen und Bewertungen der Ergebnisse ist die derzeitige Form der EMIL Qualifizierungen hervorgegangen.

Die EMIL-Qualifizierungen

In den EMIL-Qualifizierungen werden Hintergrundwissen, praktische Anregungen und methodische Hilfen vermittelt. Auf dieser Basis erarbeiten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Umsetzung des EMIL-Konzepts in ihren Einrichtungen, ausgehend von den jeweiligen Bedingungen und Ressourcen.

Die EMIL-Qualifizierungen umfassen drei Seminartage von je 3 bzw. 4,5 stündiger Dauer. Die Seminartage finden jeweils im Abstand von ca. 4-6 Wochen statt. 

Am ersten Seminartag geht es um die Entwicklung und Bedeutung der exekutiven Funktionen, einschließlich der Gehirnentwicklung, sowie um wirksame Förderansätze. Zur Veranschaulichung der Inhalte werden viele Beispiele aus der Kita-Praxis herangezogen.

Die Seminartage zwei und drei stellen verstärkt die praktische Umsetzung in den Mittelpunkt. Der inhaltliche Schwerpunkt des zweiten Seminartages liegt auf der Gestaltung von Strukturen im Kindergarten (z.B. zeitlich, räumlich) sowie der Gestaltung von Dialog und Interaktion mit den Kindern. Am dritten Seminartag stehen die Themen Bewegung und Entspannung und die besondere Gestaltung des Rollenspiels zur Förderung von exekutiven Funktionen und Selbstregulation im Vordergrund. Ein wichtiger Aspekt zu Beginn der Seminartage ist die Reflexion der bisherigen Umsetzung des EMIL-Konzepts durch die Teilnehmer/innen und ihre Teams. Mit Hilfe geeigneter Kleingruppenmethoden leitet die EMIL-Referentin/der EMIL-Referent zudem die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Reflexion theoretischer und praxisbezogener Inhalte an. Die Fachkräfte stellen dadurch immer wieder den Bezug zu ihrer Arbeit in den Kitas her und beginnen noch im Seminar motiviert an den Umsetzungsmöglichkeiten in ihren Einrichtungen zu arbeiten.

Dieser Effekt wird verstärkt durch die Transferphasen zwischen den einzelnen Seminartagen. In dieser Zeit nutzen die Fachkräfte die Gelegenheit, ihren Kolleginnen und Kollegen gegenüber Ziele, Methoden und praktische Inhalte von EMIL zu kommunizieren und Veränderungen anzuregen.

Jeweils über 80% der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind mit den Inhalten der EMIL-Qualifizierung und den in den Qualifizierungen verwendeten Methoden zufrieden oder sehr zufrieden. (927 Personen nahmen an der Befragung teil und gaben uns Auskunft zu diesen Fragen.)

ZNL Newsletter

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Abb.1: Zufriedenheit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit den Inhalten der EMIL-Qualifizierung

Abb.2: Zufriedenheit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit den in den EMIL-Qualifizierungen verwendeten Methoden


Die angebotenen Qualifizierungen sind sehr gefragt. Viele sind bis auf den letzten Platz ausgebucht. Dies spricht für die hohe Relevanz des Themas und für die Passgenauigkeit des Angebotes: die Fachkräfte erwerben wichtige Kompetenzen und Handlungsansätze, die im Kitaalltag schnell Wirkung zeigen.

Die EMIL-Referent/innen – immer auf dem Laufenden!

Ein kompetentes Team aus derzeit 6 Referentinnen und Referenten betreut die über Baden-Württemberg verteilten Schulungsstandorte, zum Beispiel in Bietigheim-Bissingen, Freiburg, Karlsruhe, Offenburg, Rastatt, Ravensburg, Schorndorf, Stuttgart und Ulm. Das Referenten Team wird ständig auf dem neuesten Stand gehalten, weitergebildet und mit aktuellen Materialien versorgt.

ZNL Newsletter - EMIL Referenten

Abb.3: Unsere Referentinnen und Referenten

Mindestens einmal im Jahr kommen die Referentinnen und Referenten und das EMIL-Team des ZNL zu einem Treffen zusammen. Ziel dieser Treffen ist es, das Referent/innen-Team über den aktuellen Stand der Entwicklung des Projektes zu informieren, neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zu teilen und über die Erfahrungen aus den zahlreichen Schulungen mit den teilnehmenden Fachkräften zu beraten. In diesem Jahr war ein wichtiger Punkt die Weiterführung von EMIL zu besprechen. An dieser Stelle bedanken wir uns für die vertrauensvolle Zusammenarbeit und das ungebrochene Engagement und freuen uns, dass dieses kompetente Team auch für die Verstetigung bereitsteht.

EMIL in Zahlen

437 Kitas nahmen in der Rollout-Phase (Laufzeit: Januar 2015 bis Dezember 2018) an EMIL teil. Dazu wurden insgesamt 72 Qualifizierungsdurchläufe angeboten. 1.590 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, davon 414 Kita-Leitungen, konnte das EMIL-Team in dieser Zeit qualifizieren. Geht man von einer durchschnittlichen Zweigruppigkeit der Einrichtungen aus, konnten im Rollout etwa 21.850 Kinder mit EMIL erreicht werden.

Zusammen mit den Qualifizierungen, die in den Entwicklungsphasen von 2011 bis 2014 durchgeführt wurden, ergeben sich insgesamt folgende Zahlen:

1.834 Fachkräfte und Kita-Leitungen aus 460 Kindergärten wurden insgesamt geschult.

Rund 23.000 Kinder kamen in den Genuss einer Pädagogik, die die Entwicklung der exekutiven Funktionen unterstützt und damit die sozialen und emotionalen Kompetenzen der Kinder stärkt.

Damit erhalten die Kinder eine gute Grundlage für ihre weitere Entwicklung. Da viele EMIL-Kindergärten EMIL langfristig umsetzen (siehe Artikel „EMIL wirkt 2: Nachhaltige Verankerung von EMIL“)  wird die Zahl der Kinder, die von EMIL profitieren, mit der Zeit weiter anwachsen.

Alle Projektbeteiligten freuen sich über das große Interesse und die Gesamtzahl von Kindergärten, in denen nun der EMIL-Gedanke umgesetzt wird!
Wir bedanken uns an dieser Stelle bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern füriIhre Offenheit,iIhr Vertrauen und ihr Engagement!
 

EMIL Schulungsmaterial

Während der beiden Entwicklungsphasen des EMIL Projektes entstanden vielfältige Schulungsunterlagen, die für den Rollout in Kooperation mit der Firma Wehrfritz in ein professionell gestaltetes Format gebracht und erweitert wurden. Der so entstandene EMIL-Schulungsordner unterstützt die Fachkräfte in ihrem Lern- und Reflexionsprozess. Er beinhaltet vier Broschüren und ein Poster. Die Broschüre “Wissenschaftliche Grundlagen” stellt ausführlich die zentralen theoretischen Hintergründe über die Entwicklung, Bedeutung und Förderung der exekutiven Funktionen und Selbstregulation im Kindergartenalter dar. Die zweite Broschüre “Anregungen für den Kita-Alltag” gibt hilfreiche Tipps für die Umsetzung im Alltag. Anhand typischer Situationen aus dem Kita-Alltag wird exemplarisch aufgezeigt, welche Herausforderungen und Aufgaben Kinder mit Hilfe ihr exekutiven Funktionen bereits bewältigen können oder in welchen Bereichen sie noch Unterstützung benötigen. Die dritte Broschüre “Begleitheft für pädagogische Fachkräfte” bietet den Teilnehmenden Raum, um Ergebnisse, wichtige Erkenntnisse und ihren individuellen Lernprozess festzuhalten. Als Erweiterung entstand 2018 eine vierte Broschüre.  Diese “Reflexionsmaterialien für den pädagogischen Alltag” unterstützen die Fachkräfte darin, ihre eigene Haltung und ihr Handeln zu reflektieren. Diese Unterlagen können ganz individuell eingesetzt werden und sorgen für ein nachhaltiges Wirken von EMIL.

ZNL Newsletter - EMIL Schulungsmaterialien

        Abb.4: EMIL-Schulungsmaterialien

Das Poster bildet das EMIL-Konzept als Schaubild ab. Es dient den Kitas EMIL im Alltag sichtbar zu machen. Es ist sozusagen eine kleine Erinnerungsstütze, die hilft, das eigene Handeln immer wieder entlang der möglichen Ansatzpunkte zur Förderung der exekutiven Funktionen zu reflektieren.

ZNL Newsletter - EMIL Poster

      Abb.5: EMIL-Poster

 

 

 

EMIL wirkt 1: pädagogische Arbeit im Kindergarten
Melanie Otto & Dr. Petra Arndt, ZNL T
ransferZentrum für Neurowissenschaften und Lernen, Universität Ulm

Während seiner Entwicklung wurde das EMIL-Konzept mehrfach qualitativ und quantitativ evaluiert. Dabei wurden die Umsetzbarkeit des EMIL-Konzepts und die Qualität der Schulungen ebenso in den Blick genommen wie die Wirksamkeit und der Nutzen für die Entwicklung der Kinder.

Die Qualifizierung der pädagogischen Fachkräfte setzt bei der Vermittlung und Erarbeitung von Wissen über die exekutiven Funktionen und die Fähigkeit zur Selbstregulation an. Diese werden, wie im Artikel „EMIL – Entwicklung und Erfolg eines Konzeptes zur Förderung emotionaler und sozialer Kompetenzen“ beschrieben, in den Qualifizierungen und Transferphasen in die Praxis übertragen. Es ist also wichtig, ob und wie gut es gelingt, neues Wissen aufzubauen und zu verankern und wie bedeutsam dieses Wissen letztlich für die pädagogische Praxis ist. Hierzu haben wir die Teilnehmerinnen und Teilnehmer um Auskunft gebeten.

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Abb. 6: Die Bedeutung von EMIL für die pädagogische Praxis wurde von 893 Teilnehmerinnen und Teilnehmern eingeschätzt. Über 85% davon beurteilten Bedeutung für ihre pädagogische Praxis als hoch oder sehr hoch.

Abb. 7: Von den 294 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die uns hierzu Auskunft gaben, waren über 70% der Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit ihrem individuellen Lernerfolg zufrieden oder sehr zufrieden.

 

Die Meinung und Einschätzung der teilnehmenden pädagogischen Fachkräfte zur Wirksamkeit ist für ein Praxiskonzept wie EMIL wichtig. Daher wurden diese nach Beendigung der Qualifizierung dazu befragt, ob sie Veränderungen im Kindergarten-Alltag bemerken. Auf einer fünfstufigen Skala (gar nicht, wenig, moderat, viel, sehr viel) konnten die Fachkräfte beurteilen, in welchem Ausmaß sie durch EMIL Veränderungen sehen. Besonders in Bezug auf ihr eigenes Verhalten hat sich bei den pädagogischen Fachkräften viel verändert. Insgesamt 71% gaben an, dass sehr viele (22%), viele (32%) oder moderate (27%) Veränderungen stattgefunden haben .

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der EMIL-Qualifizierungen nannten zahlreiche Beispiele für Veränderungen, u.a.:

  • Intensiverer Austausch im Team über pädagogische Inhalte
  • Klare Strukturen, räumliche Veränderungen
  • Spielauswahl hat sich verändert
  • Haltung zu den Kindern und Wahrnehmung ihrer Individualität
  • Bei Konflikten wird den Kindern nicht die Lösung angeboten, sondern die Lösungsfindung begleitet

 

Fazit: Die Aufnahme und Umsetzung der EMIL-Inhalte in der Praxis gelingt. Dabei tragen verschiedene Bausteine zu einer für die Entwicklung der Selbstregulation und der exekutiven Funktionen förderlichen Pädagogik bei.

 

 

 

EMIL wirkt 2: Nachhaltige Verankerung von EMIL
Sonja Quante & Anna Stegmüller, ZNL TransferZentrum für Neurowissenschaften und Lernen, Universität Ulm

Wichtig für die Evaluation ist aber nicht nur, welche Veränderungen die Kindergärten durch die Teilnahme an der EMIIL-Qualifizierung kurzfristig auf den Weg gebracht haben, sondern auch, inwieweit es ihnen gelingt, EMIL nachhaltig im pädagogischen Alltag zu verankern. Deshalb haben wir die Kindergarten-Teams im Zeitraum von ca. einem halben Jahr bis etwa 2 Jahren nach Abschluss der EMIL-Qualifizierung noch einmal schriftlich befragt. Insgesamt 140 Kindergärten haben an der Befragung zur nachhaltigen Implementation von EMIL teilgenommen.

Was ist hilfreich für die Umsetzung von EMIL?

Auf die Frage „Was hat Ihnen dabei geholfen, EMIL in Ihrem Kindergarten umzusetzen?“, wurde von den befragten Kindergärten häufig der Begleitordner zur EMIL-Fortbildung mit theoretischen Grundlagen und vielen praktischen Anregungen genannt. Darüber hinaus haben die Kindergärten das in der Fortbildung eingeführte „SMART“-Tool als unterstützend erlebt, um sich klar definierte und überprüfbare Ziele zu setzen. Außerdem hatte der Austausch mit anderen pädagogischen Fachkräften sowohl während der Fortbildung als auch später im eigenen Team einen hohen Stellenwert für die EMIL-Kindergärten.

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Abb. 8: Intensität, mit der EMIL noch in den Kindergärten präsent ist.

Die Ergebnisse der Befragung zeigen, dass EMIL noch in etwa der Hälfe der Kindergärten auch weiterhin überwiegend präsent ist – wenn auch in unterschiedlicher Intensität. Mittels statistischer Analysen konnten wir feststellen, dass die nachhaltige Umsetzung von EMIL mit dem Anteil der geschulten Fachkräfte in dem jeweiligen Kindergarten in Zusammenhang steht. Dieser variiert sehr stark, da die Größe der Teams in den EMIL-Kindergärten sehr unterschiedlich ist. Während die kleinsten Kindergärten nur zwei Fachkräfte beschäftigen, besteht das größte Team, das bisher teilgenommen hat, aus 37 Fachkräften. In einem Drittel der Kindergärten sind 20% oder weniger der pädagogischen Fachkräfte in EMIL geschult, in einem weiteren Drittel 20-40%. Neben der unterschiedlichen Größe der Kindergärten spielt hier auch die Personalfluktuation eine Rolle.

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Abb. 9: Anteil der aktuell EMIL-geschulten Fachkräfte im Team

Dieser Zusammenhang spiegelt sich auch in dem von den Kindergärten immer wieder geäußerten Wunsch wider, weitere pädagogische Fachkräfte zu schulen, um EMIL im Kindergartenalltag noch besser umsetzen zu können. Die Nachschulung von pädagogischen Fachkräften ist einer der Punkte, den die EMIL-Kindergärten als hilfreiche Ergänzung benennen, um EMIL noch stärker in ihrem Kindergarten umzusetzen zu können (siehe Abb. 10). Als noch relevanter für die nachhaltige Umsetzung werden die Auffrischung der Inhalte und Teambegleitungen vor Ort genannt. Als hinderlich bei der Umsetzung haben die Kindergärten vor allem Zeit- und Personalmangel, zu wenig EMIL-geschulte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Team sowie zu hohe Anforderungen durch Alltagsaufgaben erlebt.

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Abb. 10: Häufigste Angaben  der Kindergärten auf die Frage: „Was wäre aus Ihrer Sicht ergänzend hilfreich/nützlich, um EMIL verstärkt in Ihrem Kindergarten umzusetzen?“

Was hat sich durch EMIL über die Zeit verändert?

EMIL ist kein vorgefertigtes, starres Maßnahmenpaket, sondern soll immer so umgesetzt werden, wie es der Situation des Kindergartens und den Bedürfnissen der Kinder am besten entspricht. Das gelingt. Wie beabsichtigt, setzen die EMIL-Kindergärten tatsächlich unterschiedliche Schwerpunkte. So haben einige EMIL-Kindergärten beispielsweise die räumlichen Strukturen in den Blick genommen, während andere die Priorität bei der Haltung und der Interaktion mit den Kindern gesetzt haben. Insgesamt hat sich bei den befragten Kindergärten im Bereich Haltung/Dialog/Interaktion am meisten verändert (siehe Abbildung 19). Manche Kindergärten geben aber auch an, dass sich durch EMIL kaum oder nichts verändert habe, da sie schon vorher diese Haltung und Art der Interaktion praktiziert hätten. Dasselbe gilt auch für die Bereiche Strukturen und pädagogische Angebote/Aktivitäten.

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Abb. 11: Veränderung der pädagogischen Arbeit durch EMIL, Antworten von 140 Kindergärten

Im Bereich Haltung/Dialog/Interaktion wurde insbesondere deutlich, dass die befragten pädagogischen Fachkräfte nach der EMIL-Qualifizierung vermehrt das selbstständige Denken, Handeln und Problemlösen der Kinder anregen (z.B. durch offene Fragen, Zurückhalten von Lösungsvorschlägen). Sie ermutigen die Kinder, ihre Gedanken und Ideen einzubringen und nehmen eine wertschätzende, feinfühlige Haltung gegenüber den Kindern ein. Für einen Teil der Kindergärten stand die Gestaltung der Lernumgebung im Vordergrund. Sie achten vermehrt auf eine besser strukturierte räumliche Umgebung, die Reduktion von Material und eine überschaubare Darbietung zugunsten der selbsttätigen Nutzung durch die Kinder, den vermehrten Einsatz von „kleinen Helferlein“, welche die Kinder in der eigenständigen Bewältigung von Herausforderungen unterstützen, eine bewusstere Gestaltung von zeitlichen Abläufen und Übergängen, die Ritualisierung des Alltags und die verstärkte Partizipation der Kinder in Bezug auf Regeln, Rituale und Gruppenbildung.
In Bezug auf die pädagogischen Angebote und Aktivitäten hat sich vor allem gezeigt, dass neben der gezielten Einführung selbstregulationsstärkender Spiele und Angebote, der Fokus auf einer bewussteren Gestaltung schon bestehender Angebote liegt. So wurden Bewegungsangebote gezielt mit Aspekten verknüpft, die die exekutiven Funktionen stärken. Bewegungseinheiten wurden nicht nur häufiger, sondern auch vermehrt im Außenbereich angeboten. Entspannungsangebote wurden ausgeweitet und räumliche Veränderungen vorgenommen (z.B. Rückzugsecken, Entspannungsraum). Gleichzeitig wurde anhand der Befragung deutlich, dass beim Thema Entspannung und Achtsamkeit bei vielen Kindergärten noch großer Entwicklungsbedarf besteht. Im Bereich Rollenspiel wurde vorrangig die Darbietung von Materialien und die räumliche Gestaltung verändert. Auch hier haben sich viele Kindergärten vorgenommen, den Bereich auszubauen und begleitetes Rollenspiel zur Unterstützung von Selbstregulation und sozial-emotionaler Kompetenz noch stärker zu nutzen. Die Vielfalt der Antworten spiegelt die Bandbreite der Möglichkeiten wider, durch die die exekutiven Funktionen und die Selbstregulation im Kindergartenalltag gefördert werden können.

Fazit: EMIL kann nachhaltig umgesetzt werden. Dabei gelingt es den Kindergärten, inhaltliche Schwerpunkte zu setzen. Die Änderung im Bereich Haltung/Dialog/Interaktion wurde von den Kindergärten am häufigsten als Schwerpunkt in der Umsetzung gewählt.

 

 

 

EMIL wirkt 3: Entwicklungsvorteile für die Kinder
Melanie Otto & Dr. Petra Arndt
, ZNL TransferZentrum für Neurowissenschaften und Lernen, Universität Ulm

Mit EMIL soll die Entwicklung der sozialen und emotionalen Kompetenzen der Kinder gefördert werden. Daher zielt die Überprüfung der Wirksamkeit auf die Fragen ab: Können die exekutiven Funktionen und die Selbstregulation bei Kindern durch eine Qualifizierung von pädagogischen Fachkräften unterstützt werden? Verbessern sich die sozialen und emotionalen Kompetenzen?

Um die Forschungsfragen beantworten zu können, braucht es zwei Gruppen von Kindern: solche die Kindergärten besuchen, deren pädagogische Fachkräfte das EMIL-Konzept umsetzen und eine Vergleichsgruppe, deren Fachkräfte den Kindergartenalltag so wie immer nach dem jeweiligen Konzept des Kindergartens gestalten. An der ersten Evaluation beteiligten sich acht Kindergärten aus Ulm, an der zweiten Evaluation nahmen 25 Kindergärten aus den vier Regierungspräsidien Baden-Württembergs teil. Während die Ulmer Kindergärten ausnahmslos nach dem infans-Konzept arbeiteten, waren in der zweiten Gruppe unterschiedliche pädagogische Konzepte vertreten (z.B. Reggio, situationsorientierte Arbeit, Waldkindergarten).

Für beide Evaluationen wurden die Kindergärten per Los in Interventionsgruppen und Kontrollgruppen aufgeteilt. Die pädagogischen Fachkräfte der Interventionsgruppen nahmen an den EMIL-Qualifizierungen teil und setzten das Konzept in ihren Einrichtungen um. Die Kindergärten der Kontrollgruppe nahmen (zunächst) nicht an den Qualifizierungen teil. (Sie bekamen die Möglichkeit zu einem späteren Zeitpunkt, nach der Evaluation, teilzunehmen.) Durch den Vergleich der Entwicklung der Kinder in den Interventions-Kindergärten mit der der Kinder, die einen Kindergarten aus der Kontrollgruppe besuchten, konnten Rückschlüsse auf die Wirksamkeit des EMIL-Konzepts gezogen werden. Insgesamt haben über 800 Kinder im Alter zwischen 3 und 6 Jahren an den Erhebungen teilgenommen.

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Abb. 12: Beim gemeinsamen Turmbauen kommt es darauf an sich aufeinander einzustellen.

Die Entwicklung der Kinder wurde mit spielerischen, kindgerechten, neuro- und entwicklungspsychologischen Erhebungsverfahren erfasst. Um die Entwicklung der handlungssteuernden exekutiven Funktionen abzubilden, ist es notwendig, deren Teilkomponenten zu betrachten. Hierzu gehört das Arbeitsgedächtnis, also die kurzfristige Merkfähigkeit, die es erlaubt, Informationen aus der Umwelt „im Kopf zu behalten“ und die Impulskontrolle (Inhibition), also die Fähigkeit vorschnelle Antworten zu hemmen und vor einer Handlung erst nachzudenken.

Verglichen mit einer Kontrollgruppe kam es bei den Kindern der Interventionsgruppe zu signifikanten Verbesserungen der exekutiven Funktionen sowohl im Arbeitsgedächtnis als auch in der Inhibition (Impulskontrolle). Alle Kinder verbesserten sich über den Verlauf der Zeit in ihrer Fähigkeit, sich Informationen zu merken. Jedoch nahm die Merkfähigkeit bei den Kindern, die einen EMIL-Kindergarten besuchten nachweislich stärker zu, besonders für das visuell-räumliche Gedächtnis.


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Abb. 13: Ergebnisse des Turmbau-Spiels, mit dem die Fähigkeit abzuwarten und abzuwechseln erfasst wird.


Auch die Inhibitionsfähigkeit verbesserte sich. Beispielsweise waren die Kinder aus EMIL-Kindergärten besser darin, sich in einem spielerischen Test, bei dem sie abwechselnd mit einem Mitspieler an einem Turm bauen sollten, zu inhibieren und die Regel einzuhalten, sich abzuwechseln und auf den Mitspieler zu achten.

 

 

 

 

 

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Abb. 14: Ergebnisse der Stofftiergeschichte, mit der die Fähigkeit sich in andere hinein zu versetzen erfasst wird.


Als Maß für die sozialen Kompetenzen wurde die Fähigkeit zur Perspektivenübernahme ausgewählt, also die Fähigkeit sich in andere Personen hinein zu versetzen. Anhand einer Stofftiergeschichte, zu der die Kinder Fragen beantworten sollten, wurde festgestellt, wie gut es den Kindern gelingt, sich in die Figuren der Geschichte hineinzuversetzen und deren Perspektive zu übernehmen. Die Perspektivenübernahme verbessert sich mit zunehmendem Alter der Kinder.
Bei den Kindern, die einen EMIL-Kindergarten besuchen entwickelt sich die Fähigkeit zur Perspektivenübernahme jedoch stärker als bei der Kontrollgruppe.

 

 

Auch wenn Testverfahren gute Hinweise auf die sozialen Kompetenzen von Kindern geben, kann das Verhalten, das Kinder im Alltag zeigen doch anders ausfallen. Darum haben wir in der zweiten Evaluation die pädagogischen Fachkräfte gebeten, die sozial-emotionalen Kompetenzen der einzelnen Kinder mit Hilfe eines standardisierten Beobachtungsbogens (PERiK – Positive Entwicklung und Resilienz im Kindergarten) einzuschätzen. Dabei zeigte sich, dass die Kinder in den EMIL-Kindergärten ihre Fähigkeit zu Rücksichtnahme und Selbststeuerung signifikant stärker weiterentwickelten als die Kinder der Vergleichsgruppe, so dass die EMIL-Kinder hier höhere Werte erreichten. Zugleich entwickelten sie sich auch in ihrer Fähigkeit zur Selbstbehauptung weiter. Das Ergebnis lässt den Schluss zu, dass die stärkere Fähigkeit zur Selbststeuerung der Kinder in EMIL-Kindergärten nicht dazu führt, dass die Kinder sich überzogen angepasst und „brav“ verhalten und so viel Rücksicht nehmen, dass sie in ihren eigenen Bedürfnissen zu kurz kommen. Vielmehr können die Kinder sich behaupten und ihre eigenen Interessen vertreten – nur eben nicht rücksichtslos, sondern in einer angemessenen Weise.

Aus Sicht der pädagogischen Fachkräfte machen sich die Veränderungen der pädagogischen Arbeit durch EMIL im Verhalten der Kinder in ganz verschiedenen Bereichen bemerkbar. So berichten die Fachkräfte u.a. folgende Verbesserungen:

  • vereinfachte Aufräumsituation
  • weniger Konflikte in den Übergangssituationen
  • Hilfsbereitschaft der Kinder untereinander hat zugenommen.
  • Kinder versuchen häufig Konflikte selbst im Gespräch zu regeln. Erst wenn das nicht klappt, holen sie Hilfe bei uns. Selten werden Konflikte körperlich ausgetragen.
  • Kinder halten sich besser an vereinbarte Regeln.
  • Anziehsituation ist entspannter.
  • Kinder pflegen einen fairen, sozialen Umgang.
  • Kinder sind ruhiger, öffnen sich mehr.
  • Größere Kinder begeben sich auf Augenhöhe der Kleineren.
     

Fazit: Das Programm EMIL unterstützt die Entwicklung der exekutiven Funktionen wie Arbeitsgedächtnis und Impulskontrolle und trägt zu einem sozial kompetenten Verhalten der Kinder bei, das sie befähigt, Regeln einzuhalten, auf andere angemessen Rücksicht zu nehmen und zugleich die eigenen Interessen zu wahren. Die Fähigkeit, ein solches Gleichgewicht herzustellen, dürfte für den Entwicklungsverlauf und den weiteren Lern- und Lebensweg der Kinder ausgesprochen vorteilhaft sein.

 

 

 

EMIL findet national und international Beachtung
Melanie Otto & Dr. Petra Arndt
, ZNL TransferZentrum für Neurowissenschaften und Lernen, Universität Ulm

Sowohl in der Praxis als auch im wissenschaftlichen Umfeld trifft EMIL mit seinem besonderen Ansatz und den überzeugenden Ergebnissen des Forschungsprojekts auf starkes Interesse. Auf nationalen und internationalen Tagungen und Konferenzen, auf denen Vertreterinnen des Teams in Kurzvorträgen, Symposiumsbeiträgen und Posterpräsentationen die Projektarbeit vorstellen, entstehen neue Kontakte und interessante Diskussionen.

Hier eine Auswahl der Konferenzen und Tagungen, zu welchen EMIL einen Betrag leistete:

  • European Association for Research on Learning and Instruction (EARLI), Zypern
  • Learning and Development in Early Childhood (EARLI Sig 5), Porto und Berlin
  • Nachwuchstagung zu exekutiven Funktionen und Selbstregulation (NEFS), Ulm
  • Lancaster Conference on Infant and Early Child Development (LCICD), Lancaster
  • European Early Childhood Education Research (EECERA), Bologna
  • XXXV. Kongress 2017 der DGKJP (Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie), Ulm
     

Fünf Praktikerinnen aus Dänemark sind von EMIL begeistert

Die Begeisterung für EMIL reicht weit über die Grenzen Baden-Württembergs hinaus. Seit 2015 freuen wir uns über den konstanten Austausch mit Praktikerinnen aus Dänemark. Im Februar 2018 reisten fünf engagierte Pädagoginnen an, um ihre praktischen Erfahrungen mit der Förderung der exekutiven Funktionen zu teilen und mit viel Interesse den Übertrag auf die Krippenpädagogik zu diskutieren. Ein Highlight war es für die Däninnen, die Umsetzung des EMIL-Konzeptes hautnah in einer Ulmer Kita erleben zu dürfen. Unser besonderer Dank gilt hier der Offenheit des Teams der städtischen Kita Ermingen!

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Besuch zum wissenschaftlichen Austausch aus Belgien

Im April 2018 fand am ZNL ein vertiefender Austausch mit Sanne Feryn von der katholischen Universität Leuven und mit Joke Grimmonprez vom Odisse University College in Aalst statt. Die beiden Wissenschaftlerinnen stellten ihr Projekt zur Förderung der exekutiven Funktionen Zet je EF Bril op vor. Das Forschungsprojekt der Universität Odisee wird im Rahmen der Kinderarmutspolitik der Stadt Aalst finanziert. Ähnlich wie EMIL zielt es auf die Stärkung der kindlichen exekutiven Funktionen im Kindergartenalltag ab. Neben dem wissenschaftlichen Austausch erhielten die beiden Forscherinnen auch einen Einblick in die Umsetzung der EMIL-Fortbildungen.

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Expertentreffen Fachkräfte Ausbildung

Das Thema exekutive Funktionen in den Lehrplan der Fachschulen für Sozialpädagogik einzubetten und somit die werdenden Fachkräfte frühzeitig dafür zu sensibilisieren, ist uns ein wichtiges Anliegen. Deswegen lud das EMIL Team zweimal einen Expertenrat ein, um am ZNL gemeinsam über sinnvolle und realistische Wege der Umsetzung zu beraten. Der Rat brachte seine Erfahrungen aus Fachschulen, Kitas und dem Kultusministerium, vertreten durch Frau Anette Krause, ein. Dieser Gewinn bringende Austausch wurde für die Erstellung von Unterrichtsmaterialien genutzt, die den Lehrkräften an den Fachschulen für Sozialpädagogik zur Verfügung gestellt werden.

EMIL in Wort und Schrift:

In regelmäßigen Abständen wird das Fachpublikum über wichtige Erkenntnisse aus dem Forschungsprojekt informiert und in renommierten Fach- und Praxiszeitschriften wie Kita aktuell, Kindergarten heute, klein & groß oder TPS (Theorie und Praxis der Sozialpädagogik) veröffentlicht.  Wissenschaftliche Beiträge erschienen u.a. im Fachjournal diskurs und PLos one. Der Buchbeitrag „Exekutive Funktionen - ein Spiel fürs Leben“ erschien 2018 im Buch „Didaktik in Kindertageseinrichtungen“.

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Die vollständige Liste der Publikationen und Beiträge finden Sie auf unserer Homepage unter: http://www.znl-ulm.de/Veroeffentlichungen/veroeffentlichungen.html